ArchitektInnen für K21 - Donnerstag, 14. Dezember 2017
Druckversion der Seite: Position von Prof. H.-D. Kaiser
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Warum ich Stuttgart 21 ablehne:

Ich beklage die Verluste für die Stadt an zentraler Stelle. Und ich beklage den ungeheuren Aufwand, der betrieben wird, um unseren gut funktionierenden Kopfbahnhof in einen schlechteren und störungsanfälligen Tunnelbahnhof zu verwandeln.

Eine Stadterweiterung nach innen wäre auch ökologisch attraktiv gewesen, wenn sie nicht mit derartigen Verlusten erkauft werden müsste:

  1. Der Hauptbahnhof wird verstümmelt, seiner Funktion beraubt und droht zur leeren Hülle zu werden. Der Hauptbahnhof ist Stuttgarts Wahrzeichen und Zeuge für die beginnende Moderne, die für diese Stadt eine fruchtbare Zeit war. Wir sollten stolz auf diese Zeit des Stuttgarter Aufbruchs sein. Wo auf der Welt steht noch ein solches funktionsfähiges Bahhofsmonument, perfekt in die Stuttgarter Topograhie und den Stadtgrundriss eingefügt?

  2. Der Straßburger Platz ist kein Platz, sondern ein Bahnhofsdach. Spürbar. Der Name Reptilienrücken trifft den Charakter dieser Fläche am besten, weil sie vollkommen unwirtlich ist und zum Aufenthalt ungeeignet. Das Preisgericht 1997 nannte sie "Mondlandschaft".

  3. Der Schloßgarten verliert im zentralen Bereich auf mindestens 100 Meter Breite alle Bäume. Und er wird von einem bis zu 6 Meter hohen Wall durchschnitten, dem schon genannten Reptilienrücken. Dieser Wall wird von Lichthöckern besetzt, die nochmals 5 Meter hoch sind, zusammen also 11 Meter! Und Bäume werden dort keine wachsen.

  4. Die sogenannte City-Erweiterung wird zu einer isolierten Bürostadt, weil zwischen Königstrasse, der alten City und der neuen City 220 Meter Niemandsland liegenwerden - darin isoliert der Bahnhofstorso. Eine Verbindung von der Königstraße zur Athener Straße gibt es nicht.

Die harten Fakten gegen Stuttgart 21 hat die Bahn AG in der Schlichtung selbst geliefert: Sie hat in 16 Jahren Planung kein Betriebskonzept und keinen funktionierenden Fahrplan zustande gebracht. Von einem verqueren Flughafenbahnhof ganz abgesehen.

Deshalb ist Stuttgart 21 ein unsinniges Projekt, zumal es mit dem Kopfbahnhof 21 eine machbare, bahntechnisch effektivere Alternative gibt, die die oben genannten Verluste für die Stadt Stuttgart in ihrem Kern vermeidet.

Quelle: http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=707