ArchitektInnen für K21 - Donnerstag, 14. Dezember 2017
Druckversion der Seite: Positionspapier vom 7.4.2011
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Unser Positionspapier vom 7. April 2011

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An den Fraktionsvorsitzenden der Landtagsfraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Herrn Winfried Kretschmann

An den Landesvorsitzenden der

SPD Baden-Württemberg

Herrn Dr. Nils Schmid

Zustellung per Mail und Boten Stuttgart, 7. April 2011

 

Kopie per Mail:: An die Damen + Herren: Winfried Hermann, Boris Palmer, Werner Wölfle,
Wolfgang Drexler, Ivo Gönner, Rita Haller-Haid, Claus Schmiedel

An die Fraktionsgeschäftsstellen von Bündnis 90/die Grünen + der SPD im Landtag,
an die Stgt. GemeinderätInnen von Bündnis 90/die Grünen + der SPD

An das Aktionsbündnis  gegen Stuttgart 21

 

Positionspapier des „Arbeitskreises ArchitektInnen für K21“
mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen zur Bildung der neuen Landesregierung 

Sehr geehrte Herren,

im Arbeitskreis „ArchitektInnen für K21“ haben sich Kolleginnen und Kollegen aller Fachrichtungen –Hochbau, Städtebau und Landschaftsplanung – zusammengeschlossen, die sich mit weiterführenden Ideen einsetzen für den Erhalt und die Ertüchtigung des bestehenden und optimal funktionierenden Kopfbahnhofs, für eine auch zukünftig lebens- und liebenswerte Stadt Stuttgart und für eine dem Bedarf angemessene, qualitativ nachhaltige Stadtentwicklung, in der die klimatologischen Anforderungen durch die Talkessellage ebenso berücksichtigt werden wie der rasant fortschreitende demografische Wandel.

Dabei geht es uns insbesondere um:

  • Den Erhalt des Kulturdenkmals Bonatzbau einschließlich der Seitenflügel und des sog. Gleis- gebirges in seiner Gesamtheit als unverwechselbares Wahrzeichen unserer Landeshauptstadt.
  • Den Erhalt des optimal funktionierenden „pünktlichsten Großstadtbahnhofs Deutschlands“, der künftig mit einer gläsern-energetischen Neuüberdachung der Bahnsteige als lichtdurchfluteter oberirdischer Ankunftsort in der Stadtmitte erlebt wird, in dem man nach wie vor ebenerdig barrierefrei die Gleise wechseln kann und aus dem man bei Brandgefahr sofort im Freien ist. Und dessen heute schon S21 übertreffende Kapazität mit seinen 16 Gleisen künftig bei etwaigem Bedarf noch problemlos auf bis zu 52 Züge/Std. gesteigert werden könnte.

Ein Kopfbahnhof, wie er in den wichtigen Metropolen Europas aufs Beste funktioniert und der auch ohne weiteres an eine etwaige Neubaustrecke nach Ulm angeschlossen werden könnte. 

  • Eine Überholung der vernachlässigten Gleisanlagen, die Entfernung innen- und außenräumlicher Verunstaltungen, die Umnutzung der Seitenflügel mit attraktiven bürgerfreundlichen Nutzungen und die Unterbringung des zentralen Busbahnhofs unter den Gleisen. 
  • Die städtebauliche Aufwertung und Aktivierung des Bahnhofumfeldes mit einem verkehrs-beruhigten großzügigen Bahnhofsvorplatz und entlang des Südflügels ein Boulevard, der die Königstraße verlängert und den ergänzten Schlossgarten durch neue Parkterrassen einbezieht.
  • Den Erhalt des mittleren Schlossgartens mit seinem jahrhundertealten Baumbestand als Erholungsort für die Anwohnenden und als „grüne Lunge“ der stark belasteten Stadt.
  • Eine grünräumlich und klimatisch wirksame Erweiterung des Rosensteinparkes um ca. 30 ha auf der Fläche des heutigen Wartungsbahnhofs bzw. Paketpostamts.
  • Die Schonung unserer unersetzbaren Mineralquellen, die bei K21 weder durch einen quergelegten Betontrog im Grundwasserbereich, noch durch Bohrungen in die Schutzschichten gefährdet werden. 
  • Eine Innenstadtentwicklung auf der bereits zur Verfügung stehenden C 1 + C 2 - Fläche, die zeit- nah auf den heutigen noch anstehenden Bedarf reagieren kann: bezahlbare, klimagerechte und energiesparende Wohnformen für Familien mit Kindern, Paare und alleinstehende Menschen aller Altersgruppen (und nicht erst nach 2020 nach Freiwerden der Logistikflächen für S21)
  • Eine Innenstadtentwicklung, die behutsam an den Bestand – z. B. das Nordbahnhofviertel –anknüpft und damit die Auslastung vorhandener und zusätzlicher Infrastruktur gewährleistet.
  • Eine Innenstadtentwicklung, die keinen teuren Tiefbahnhof über den Grundstückserlös refinanzieren muss und deshalb finanzielle Freiräume für soziale Infrastrukturen bieten kann.
  • Im Verlauf des „Faktenchecks“ bei der Schlichtung hat das Konzept K21 seine Überlegenheit klar belegen können. Dies gilt für den heutigen und künftig anpassbaren Bahnverkehr ebenso wie für alle relevanten Bereiche der Stadtentwicklung, der Ökologie, der Geologie, des Naturschutzes und nicht zuletzt der Kosten.

Soweit, sehr geehrte Herren, die kurze Zusammenfassung unserer Positionen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung bei Erhalt des Kulturdenkmals Bonatzbau. In der Anlage überreichen wir Ihnen unsere Broschüre „K21 - unsere Zukunft in 12 Bildern“, in der die Tafeln der gleichnamigen Ausstellung im Württembergischen Kunstverein mit unseren zum Teil oben erwähnten Ideen abgebildet sind. 

Gerne stehen wir als Gruppe von unabhängigen fach- und sachkundigen Architektinnen und Architekten  dem neu gebildeten Landtag in baulichen und städtebaulichen Fragen fachlich beratend zur Seite. 

Schließlich möchten wir Sie dringend bitten, falls S21 nicht schon vorab an den zu hohen Mehrkosten durch den Stresstest scheitern sollte, sich nicht auf einen verfassungsgemäßen „Volksentscheid“ festzulegen, der wegen des praktisch unerreichbaren Quorums als extrem undemokratisch anzusehen wäre. Stattdessen sollte eine „Volksbefragung“ abgehalten werden, bei der einerseits die Stuttgarter Bürgerinnen + Bürger gesondert über das Bahnhofsprojekt S21/K21 entscheiden können (so wie die KarlsruherInnen alleine ihr Jahrhundertprojekt „Tieferlegung der Stadtbahn“ entschieden haben) und andererseits alle stimmberechtigten BewohnerInnen des Landes über die Schnellbahntrasse nach Ulm abstimmen können. 

Allerdings sollten die neu regierenden Parteien DIE GRÜNEN und die SPD im Vorfeld der Volksbefragung festlegen, dass das Ergebnis für sie bindend ist und sie ihre weitere Politik entsprechend ausrichten.

Die Architektinnen und Architekten des Arbeitskreises haben hohe Erwartungen an die neue Landes-regierung bezüglich einer demokratischeren Raumordnungs- und Planungspolitik, die den Rat der Fach-leute einholt, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig informiert und in die Entscheidungsprozesse mit einbezieht.

Mit freundlichen Grüßen 

Die SprecherInnen des Arbeitskreises ArchitektInnen für K21

 

 

Angelika Asseburg Kurt Kühfuß
Dipl. Ing. Freie Architektin Dipl. Ing. Freier Architekt

 

Anlagen: „K21 - unsere Zukunft in 12 Bildern“, Protestschreiben gegen die Verstümmelung des Stuttgarter Hauptbahnhofs